Venezianische Mehrchörigkeit


Free Web Hosting with Website Builder
Mehrchörige Kirchenmusik
Mehrchörige Aufführung im Salzburger Dom (17. Jahrhundert)

Der Begriff Venezianische Mehrchörigkeit bezeichnet eine Musikpraxis, die Mitte des 16. Jahrhunderts in der späten Renaissance in Italien aufkam. Venedig war zu dieser Zeit ein führendes Innovationszentrum auf dem Gebiet der Musik (vgl. Venezianische Schule).

Es entstanden Werke, die den Raum, in dem musiziert wurde, einbezogen, indem sie auf zwei oder mehr Teil-Ensembles (so genannte „Chöre“) verteilt waren, die an verschiedenen Stellen des Raumes standen und teils abwechselnd aufeinander antworteten, teils sich in Tutti-Passagen vereinigten und so den ganzen Raum mit Klangpracht erfüllten. Fra Ruffino d'Assisi, Domkapellmeister in Padua, schrieb um 1510-20 erstmals achtstimmig Psalmen a coro spezzato, d. h. für einen geteilten Chor bzw. für zwei vierstimmige Chöre. Bei ihm gibt es bereits über den Wechsel je Psalmvers hinaus den Wechsel je Wort oder Sinneinheit im Vers selbst und damit die eigentliche Coro-spezzato-Technik. Adrian Willaert baute diese Technik besonders in seinen achtstimmigen Salmi spezzati von 1550 weiter aus.

Seit Giovanni Gabrieli wurde auch immer öfter eine Differenzierung der Klangfarben explizit vorgeschrieben, etwa indem ein Chor mit Streichern und ein anderer mit Bläsern besetzt wurde.

Das mehrchörige Komponieren und Musizieren verbreitete sich rasch über große Teile Europas. Der bedeutendste deutsche Komponist, der die Mehrchörigkeit adaptierte, war Heinrich Schütz. Ein herausragendes Beispiel für Mehrchörigkeit im deutschsprachigen Raum ist die großangelegte, 53-stimmige Missa Salisburgensis (wohl 1682, Heinrich Ignaz Franz Biber zugeschrieben). In der Mitte des 17. Jahrhunderts verlor sich die Vorliebe für Mehrchörigkeit dann zugunsten einer mehr orchestralen Schreibweise, die überwiegend von Frankreich ausging. Ein Rest der Mehrchörigkeit lebte im Concerto grosso fort, von dem dann wieder Impulse für das barocke Solokonzert ausgingen.

Noch Johann Sebastian Bach schrieb doppelchörige Motetten, auch seine Matthäuspassion hat eine doppelchörige Anlage.

Aus der Beschäftigung mit historischen Vorbildern heraus schufen romantische Komponisten hin und wieder doppel- oder mehrchörige Werke, besonders häufig Felix Mendelssohn Bartholdy.

Siehe auch







Why are we here?
All text is available under the terms of the GNU Free Documentation License
This page is cache of Wikipedia. History