
Verbalinspiration bezeichnet eine Ausformung der Inspirationslehre, nach der die Bibel (bzw. eine andere heilige Schrift) bis in den genauen Wortlaut hinein von Gott inspiriert sei.
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Die Lehre der Verbalinspiration wurde innerhalb der so genannten lutherischen Orthodoxie entwickelt, um das protestantische Schriftprinzip (sola scriptura) abzusichern, findet sich aber dem Sinne nach schon ausgeprägt bei Augustinus. Sie drang im Rahmen der Neuscholastik auch in die katholische Theologie ein, wird aber heute im Wesentlichen nur von der Evangelikalen Bewegung[1] und Fundamentalisten sowie Sondergruppen vertreten. Ein bekanntes Dokument zur Verbalinspiration ist die Chicago-Erklärung zur Irrtumslosigkeit der Schrift.
Der traditionelle Islam geht von einem Diktat-Verständnis des Korans aus: Der Engel Gabriel habe Mohammed den Koran im Laufe vieler Jahre wörtlich offenbart.
In der Romantik wurde der Begriff der Personalinspiration geprägt (Johann Gottfried Herder, Friedrich Schleiermacher), der zunächst bedeutet, dass nicht die Schrift, sondern die Autoren der Texte inspiriert waren, im romantischen Sinne allerdings nicht verstanden als Gottes Einwirken auf den Menschengeist, sondern als Selbstwirksamkeit eines vergöttlichten Menschengeistes.
Daneben gibt es auch den Begriff der Realinspiration, nach welchem nicht die Schrift selbst, wohl aber bestimmte Inhalte oder Ideen der Schrift inspiriert sind (meist mehr auf überzeitliche religiöse oder ethische Ideen bezogen und ohne Berücksichtigung eines historischen Anspruches der Texte).
Verbalinspiration bedeutet demgegenüber nicht, dass die Bibel ein Diktat ist, bei dem die menschlichen Autoren bloße, willenlose Werkzeuge Gottes waren, sondern sie betont, dass die Hl. Schrift selbst (nicht bloß die Autoren - in der Regel aber unter Einbezug des Elementes der Personalinspiration - und auch nicht bloß einige Ideen und Inhalte) inspiriert ist, also auf das Wirken des Geistes zurückzuführen ist, aufgrund dessen man die ganze Hl. Schrift verbum Dei (Wort Gottes) nennen kann. In diesem Sinne hat Gerhard Maier auch den Begriff der Ganzinspiration geprägt.
Auf das Poetische hat jüngst Eugen Biser verwiesen: "Sprachekstasen", worin "die Sprache [...] sich selbst" "sagt", seien in der Bibel gegeben. Martin A. Hainz hat den Begriff der intentio scripturae für dieses Moment der biblischen Sprache vorgeschlagen, das Inspiration als permanent notwendig und gegeben anzusehen nahelegt: Glaube könne sich nur bedingt back to the roots bewegen, weil diese Rückwärtsbewegung keine "mehr auf Christus zu" (Benedikt XVI.) sein kann.
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