Volksmarine war von 1960 bis 1990 die Bezeichnung für die Seestreitkräfte der DDR. Sie war Teilstreitkraft der 1956 gegründeten Nationalen Volksarmee.
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Nach Beendigung des Zweiten Weltkrieges begann die UdSSR frühzeitig, die Aufrüstung in der Sowjetischen Besatzungszone (SBZ) und späteren DDR voranzutreiben. Bereits ab 1950 wurde mit Unterstützung sowjetischer Offiziere die Hauptverwaltung Seepolizei aufgebaut, die am 1. Juli 1952 in Volkspolizei-See (VP-See) umbenannt wurde. Zu diesem Zeitpunkt wurde aus Teilen der bisherigen Seepolizei eine neue Grenzpolizei-See, die die Grenze der DDR zu sichern hatte, als Teil der seit 1946 bestehenden Deutschen Grenzpolizei ausgegliedert. Die VP-See soll Ende 1952 bereits 8.000 Mann gehabt haben. Im Rahmen des gezielten Aufbaus von Seestreitkräften war auch vorgesehen, einen neuen großen Stützpunkt auf Rügen einzurichten. Die zum Großteil von Strafgefangenen zu leistenden Bauarbeiten an diesem Projekt wurden nach dem Arbeiteraufstand am 17. Juni 1953, an dem sich auch ein Teil der Gefangenen beteiligte, eingestellt und später nicht wieder aufgenommen.[1]
Mit Aufstellung der Nationalen Volksarmee (NVA) wurde am 1. März 1956 aus der VP-See die Verwaltung Seestreitkräfte der NVA mit zu diesem Zeitpunkt bereits knapp 10.000 Mann. Auf Beschluss des Nationalen Verteidigungsrats der DDR vom 19. Oktober 1960 wurde den Seestreitkräften der NVA am 3. November 1960 im Rahmen einer großen Flottenparade der Name Volksmarine verliehen. Mit dieser Benennung sollte an den Kieler Matrosenaufstand 1918 und die damalige revolutionäre Volksmarinedivision erinnert werden, deren revolutionäre Tradition die DDR für sich vereinnahmte.
In den folgenden Jahren erhielt die Volksmarine eine größere Anzahl von neuen Schiffen, die zum größten Teil auf Werften der DDR gebaut worden waren. Lediglich einige Kampfeinheiten, die sogenannten Küstenschutzschiffe und ein Teil der Schnellboote, stammten aus der Sowjetunion und einige Hilfsschiffe wurden in Polen gekauft. Hinzu kamen Hubschrauber sowjetischen Typs.
Nach dem Mauerbau am 13. August 1961 wurde die Grenzbrigade Küste (GBK) der Grenzbrigaden der Deutschen Grenzpolizei zum 15. September 1961 dem Kommando Grenze der Nationalen Volksarmee im Ministerium für Nationale Verteidigung unterstellt. Die organisatorische Unterstellung unter das Kommando der Volksmarine erfolgte am 1. November 1961.
1965 wurde die Volksmarine umgegliedert, und alle Stoßkräfte, das heißt die Schnellbootverbände, wurden in der 6. Flottille auf der Halbinsel Bug bei Dranske auf Rügen zusammengefasst. In den 1970er Jahren war die Volksmarine auf etwa 18.000 Soldaten angewachsen. In den 1980er Jahren wurden Teile des Schiffsbestandes erneuert und ein Marinefliegergeschwader (MFG 28), das mit Jagdbombern sowjetischen Typs ausgerüstet war, wurde aufgestellt. Das Marinefliegergeschwader blieb jedoch zunächst Bestandteil der Luftstreitkräfte/Luftverteidigung, es sollte lediglich operativ der Volksmarine unterstellt werden. Im Frühjahr 1990 erfolgte die Uniformierung als Marinetruppenteil und die Einführung von Marinedienstgraden beim Marinefliegergeschwader.
1986 bis 1988 kam es kurzzeitig zur Konfrontation zwischen Einheiten der Volksmarine der DDR und polnischen Seestreitkräften in einem umstrittenen Grenzgebiet, letztere wurden abgedrängt. Nach Verhandlungen kamen etwa zwei Drittel des strittigen Seegebietes an die DDR, die erste Grenzberichtigung seit 1949.
Am 2. Oktober 1990 wurde die Volksmarine, wie auch alle anderen Streitkräfte der NVA, aufgelöst. Ein Teil der Soldaten wurde in die Bundesmarine (ab 1990: Deutsche Marine) übernommen, Teile der 6. GBK vom Bundesgrenzschutz übernommen. Der Großteil der Technik, Schiffe und Boote wurde verschrottet oder verkauft, nur wenige kleinere Hilfsschiffe sind noch heute in Betrieb.
Die Volksmarine war in den Warschauer Vertrag als Teil der Vereinigten Ostseeflotten eingebunden, ihr Operationsgebiet waren die Ostsee und die Ostseeausgänge. Sie hatte die Auftrag, den Seeweg über die Ostsee für sowjetische Verstärkungen freizuhalten und sich an offensiven Operationen gegen die Küsten gegnerischer Staaten in der Ostsee zu beteiligen. Dafür standen ihr einerseits ihre leichten Seestreitkräfte wie U-Jagdschiffe, Schnellboote und Minensucher sowie Landungsschiffe zur Verfügung.
Der Routinedienst der Volksmarine war von ständiger hoher Bereitschaft gekennzeichnet. Hinzu kam die umfangreiche Aufklärungstätigkeit gegenüber den NATO-Marinen in der Ostsee. Für diesen Vorpostendienst waren ständig Fahrzeuge, meist Minensuchschiffe, in See. Besondere Aufklärungsschiffe dienten der elektronischen Überwachung und Aufklärung anderer Seestreitkräfte.
Eine besondere Rolle kam der 6. Grenzbrigade-Küste (6. GBK) bei der Verhinderung von Republikflucht zu. Die 6. GBK war dem Kommando der Volksmarine seit dem 1. November 1961 organisatorisch unterstellt und verfügte über eine größere Zahl von Patrouillenbooten und eine Beobachtungsorganisation an Land. Die GBK gehörte organisatorisch nicht zu den Grenztruppen der DDR, die ihrerseits Bootsverbände auf der Elbe unterhielten. Die Dienstgrade der 6. GBK entsprachen denen der Volksmarine, die Uniformen unterschieden sich durch eine grüne Paspellierung der Schulterstücke und anstatt „Volksmarine“ durch die Aufschrift „Grenzbrigade Küste“ auf dem Mützenband.
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Die Volksmarine wurde vom Kommando der Volksmarine in Rostock-Gehlsdorf geführt und gliederte sich (Stand etwa 1985) in
Außerdem gab es
Mit Bildung der Seestreitkräfte Anfang 1956 war die Bezeichnung noch „Chef der Seestreitkräfte“. Mit der Umbenennung der Seestreitkräfte in Volksmarine wurde am 3. November 1960 der Titel in „Chef der Volksmarine“ umbenannt. Ab dem 1. Dezember 1972 war der Chef der Volksmarine auch gleichzeitig Stellvertreter des Ministers für Nationale Verteidigung und sein Titel „Stellvertreter des Ministers und Chef der Volksmarine“. Ab dem 11. Dezember 1989 war die Bezeichnung wieder nur „Chef der Volksmarine“ und blieb es bis zur Auflösung der Volksmarine.
| 1. März 1956–31. Dezember 1956 | Konteradmiral | Felix Scheffler |
| 1. Januar 1957–31. Juli 1959 | Vizeadmiral | Waldemar Verner |
| 1. August 1959–31. Juli 1961 | Konteradmiral | Wilhelm Ehm |
| 1. August 1961–24. Februar 1963 | Konteradmiral | Heinz Neukirchen |
| 25. Februar 1963–30. November 1987 | Admiral | Wilhelm Ehm |
| 1. Dezember 1987–17. November 1989 | Vizeadmiral | Theodor Hoffmann |
| 11. Dezember 1989–2. Oktober 1990 | Vizeadmiral | Hendrik Born |
| Admiralität der Volksmarine | ||||
|---|---|---|---|---|
| Flottenadmiral | Admiral | Vizeadmiral | Konteradmiral | |
| Offizierkorps der Volksmarine | ||||||
|---|---|---|---|---|---|---|
| Kapitän zur See | Fregattenkapitän | Korvettenkapitän | Kapitänleutnant | Oberleutnant | Leutnant | Unterleutnant |
| Fähnriche der Volksmarine | |||
|---|---|---|---|
| Stabsoberfähnrich | Stabsfähnrich | Oberfähnrich | Fähnrich |
| Bootsleute der Volksmarine | ||||||
|---|---|---|---|---|---|---|
| Stabsobermeister | Obermeister | Meister | Obermaat | Obermaat auf Zeit | Maat | Maat auf Zeit |
| Mannschaftsdienstgrade der Volksmarine | ||
|---|---|---|
| Stabsmatrose | Obermatrose | Matrose |
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Sollte noch ergänzt werden
An Schiffstypen und Flugzeugen waren vorhanden:
Im Laufe der Zeit kam es immer wieder zu Fluchtversuchen von VM-Angehörigen. Zum Teil wurde versucht, mit dem eigenen Schiff in den Westen durchzubrechen. Bekannt wurden unter anderem folgende Fälle:
Landstreitkräfte |
Luftstreitkräfte/Luftverteidigung |
Volksmarine
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