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Dieser Artikel befasst sich interdisziplinär mit dem Begriff Wert; zu der physikalischen Bedeutungen Größenwert und Zahlenwert siehe Physikalische Größe; zu der gleichnamigen ethischen Bedeutung siehe auch Wertvorstellung. |
Das Wort Wert ist ein Prädikat, das substantiell oder attributiv verwendet werden kann, das heißt es ist zu unterscheiden, ob etwas ein Wert ist oder ob etwas einen Wert hat. Dementsprechend wird auch von äußeren (attributiven) oder inneren (substantiellen) Werten gesprochen.
In der substantiellen Verwendung ist ein Wert etwas, von dem behauptet wird, dass es in bestimmter Weise und in einem bestimmten Grad zur äußeren oder inneren Existenzerhaltung eines Lebewesens beiträgt, wobei unter Lebewesen ganz allgemein ein System mit einem Überlebensproblem zu verstehen ist.[1] So ist etwa ein Eimer voll Hafer ein Wert für ein Pferd, ein Brot ist ein Wert für einen Menschen zur Erhaltung seiner äußeren Existenz oder die Treue zu einem Menschen ist ein Wert zur Erhaltung seiner inneren Existenz.
Die attributive Verwendung des Prädikats Wert ist vermutlich erst im Zuge des Tauschhandels und des später eingeführten Geldverkehrs entstanden; denn dann hat ein Pferd etwa den Wert von zehn Schafen oder ein Geldstück hat den Wert von einem Brot. Und in diesem attributiven Sinn sprechen wir heute in den Wissenschaften, in denen quantitative Begriffe verwendet werden, davon, dass eine Größe einen Zahlenwert hat.
In dem attributiven Sinn versteht man unter dem Wert einer Sache, einer Dienstleistung oder einer Information die Bedeutung oder Wichtigkeit oder den Nutzen, welche(r) der Sache, Dienstleistung oder der Information für einen Betrachter oder Besitzer anhaftet.
Meistens wird der Begriff im Sinne einer menschlichen Bewertung (als Werturteil) oder einer Werterfahrung gebraucht und ist nicht so neutral gehalten wie der Begriff Bedeutung.
Inhaltsverzeichnis |
Zu unterscheiden ist vor allem zwischen einem subjektiven und objektiven Wert. Subjektive Werte sind nicht messbar, sie unterliegen dem menschlichen Gefühl, Geschmack, der menschlichen Psychologie, aber auch der Erziehung und Sozialisation. Welchen Wert man etwas zumisst, kann sich stark unterscheiden. Ein fremdes Familienfoto mag einem Außenstehenden nahezu wertlos erscheinen, für Angehörige hat es aber evtl. einen hohen Wert.
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In der Philosophie ist der Begriff des Wertes seit der Antike Gegenstand kontroverser Untersuchungen. Für Epikur (341–270 v. Chr.) gilt Lust als das, was den Wert des menschlichen Strebens ausmacht, wobei die Abwesenheit von Schmerzen noch höher veranschlagt wird. Dabei hat die theoretische Erklärung von Werten eine lange Tradition in der Begründung des so genannten „Guten“. Das Gute ist für Platon (428 oder 427–348/347 v. Chr.) das, was jede Seele anstrebt und weswegen sie alles tut, wenn auch oft in Verkennung des wahren Guten. Bei Aristoteles (384–322 v. Chr.) ist das Gute ebenfalls das, wonach jeder strebt. Und es ist das, was keines weiteren mehr bedarf, was sich selbst genügt. „Jedes praktische Können und jede wissenschaftliche Untersuchung, ebenso alles Handeln und Wählen strebt nach einem Gut, wie allgemein angenommen wird. Daher die richtige Bestimmung von ‘Gut’ als ‘das Ziel, zu dem alles hinstrebt’.“ Für Augustinus (354–430) liegt das Gute dagegen in der Liebe: „Ein guter Mensch ist nicht, wer weiß, was gut ist – sondern wer es liebt.“ Liebe geht allumgreifend sowohl auf Sachen wie auf Personen. Die höchste und absolute Liebe ist die Liebe zu Gott. Immanuel Kant (1724–1804) fragt vor allem nach dem „absoluten Wert“, der neben jenen Werten gegeben ist, die auf dem Gefühl der Lust und der Vermeidung von Unlust beruhen. „Alle Gegenstände der Neigungen haben nur einen bedingten Wert; denn, wenn die Neigungen und darauf gegründete Bedürfnisse nicht wären, so würde ihr Gegenstand ohne Wert sein.“ Wer dagegen dem Prinzip der Sittlichkeit aus Selbstbestimmung folgt, gibt sich als Person einen inneren, absoluten Wert. Daraus leitet sich der wohl bekannteste Satz der Ethik ab: „Es ist überall nichts in der Welt, ja überhaupt auch außer derselben zu denken möglich, was ohne Einschränkung für gut könnte gehalten werden, als allein ein guter Wille.“ Bei vielen Denkern werden Werte vor allem in der philosophischen Ethik diskutiert (vergl. Thomas v. Aquin, Descartes, Hobbes, Hume, Adam Smith).
Zu unterscheiden ist dabei die eher psychologisch/philosophische und die ökonomische Ausprägung des Wertbegriffs. Der eigentlich philosophische Wertbegriff wurde von Rudolf Hermann Lotze (1817–1881) eingeführt. Popularität erlangte der Begriff des Wertes dann vor allem durch Friedrich Nietzsches (1844–1900) „Umwertung aller Werte“. Doch fehlt bei Nietzsche ein ausgearbeitetes Wertkonzept. Die Neukantianer Wilhelm Windelband (1848–1915) und Heinrich Rickert (1863–1936) gelten als Begründer der „Badischen-“ oder auch „Südwestdeutschen Schule“. Für Rickert sind „Werte (…) keine Wirklichkeiten, weder physische noch psychische. Ihr Wesen besteht in ihrer Geltung, nicht in ihrer Tatsächlichkeit.“ Max Scheler (1874–1928) und Nicolai Hartmann (1852–1950) verstanden Werte im Sinne das „Antipsychologismus“ und der Phänomenologie (Edmund Husserl) als „ideales Ansichsein“, das ebensolche wahren und allgemeingültigen Wahrheiten erfasst, wie es etwa mathematische und logische Wahrheiten sind. Gefühle werden dabei im so genannten „Wertfühlen“ als zutreffende Charakterisierungen von Werterfahrungen angesehen (vergl. „Materiale Wertethik“). Ähnlich auch schon Franz Brentano (1838–1917), der die Möglichkeit einer „als richtig erkannten Liebe“ postulierte. Victor Kraft (1880–1975) versuchte in „Die Grundlagen einer wissenschaftlichen Wertlehre“ (Wien 1951) eine eher empirische Begründung der Werte, die auf verschiedenen „Quellen der Auszeichnung“ beruht, darunter auch auf Lust und Unlust.
Allgemein wird angenommen, dass menschliches Verhalten nicht nur zielgerichtet, sondern darüber hinaus wertgerichtet ist. Zu unterscheiden sind:
Im Alltag verstehen wir Werte meist objektiv und allgemeingültig, dabei allerdings im Konflikt mit solchen geflügelten Worten wie „Alles Geschmacksache“ oder „Über Geschmack lässt sich nicht streiten“. Der Wertbegriff umfasst nicht nur konventionelle Wertbegriffe wie „Treue“, „Tapferkeit“, „Ehrlichkeit“, „Demokratie“, sondern alle als wertvoll erlebten Eigenschaften und Tätigkeiten, zum Beispiel auch „angenehm“, „nützlich“, „Schönheit“, „Spaß“, „Wohlbefinden“, „Unterhaltung“. In praktisch jeder Art der Wahrnehmung können sich Anmutungsqualitäten zeigen, die Wertcharakter haben, weil sie uns anziehen, interessieren, gefallen, befriedigen usw. Umstritten ist dabei, was genau unter Wert beziehungsweise Wertvollsein verstanden werden soll. Generell ist festzustellen, dass es gegenwärtig weder in der Philosophie noch Psychologie einen Konsens über den Begriff des Wertes gibt. Es ist weitgehend unklar, welche Art von Gegenstand beziehungsweise Erkenntnis der Wert darstellt.
Wie wichtig ein angemessenes Konzept des Wertes ist, wird daraus ersichtlich, dass nicht nur private, sondern gerade auch politische Entscheidungen auf Werturteilen beruhen. So ist die Ideologie des Nationalsozialismus nicht ohne ein rigides und autoritäres Verständnis von Werten denkbar. Bewertungen wie „überlegene“ oder „minderwertige“ Rasse können nur bezogen auf einen allgemeingültigen Wertbegriff vertreten werden.
Siehe hierzu auch: Werturteilsstreit, Wertvorstellung
Die Mehrzahl des Wortes Wert, nämlich die Werte, hat im allgemeinen Sprachgebrauch eine spezielle Bedeutung: Man versteht darunter vor allem die Grundsätze, nach denen eine Gesellschaft oder eine Gruppe von Menschen ihr Zusammenleben richtet oder richten will (Ethik). Der Begriff drückt hier auch aus, dass die entsprechenden Vorstellungen und Ideen vom Zusammenleben als richtig, und daher wertvoll angesehen werden. Einige Wert-Fragen werden sowohl in der Philosophie wie auch in der Psychologie und Soziologie und neuerdings auch in der Neurophysiologie thematisiert, etwa die Frage nach der Willensfreiheit beim moralischen Handeln.
Die Naturwissenschaft beschreibt mit objektiv messbaren Werten physikalische Phänomene wie Höhe eines Berges, die Länge einer Strecke, die Helligkeit einer Lampe, die Temperatur. (siehe Größenwert, Zahlenwert, und Maßstab im Artikel Physikalische Größe). Komplexe Phänomene wie etwa Kreativität, Intelligenz oder Schönheit sind schwer messbar. Auch die Kunst entzieht sich der Messbarkeit. Zur einheitlichen Messung dienen wohldefinierte und durch Konsens anerkannte Maßeinheiten: Gleichbleibende Vergleichswerte einer bestimmten Größe. Wie diese selbst festgelegt sind, ist allerdings rein willkürlich, so bezog man sich etwa wie beim Längenmaß Elle auf menschliche Proportionen oder dem Menschen anschauliche Größen. Mit den so gemessenen Werten kann in Mathematik, Physik oder Chemie gerechnet werden. Es können so auch vereinfachte Modelle erstellt werden (Kybernetik), die reale Phänomene simulieren können.
Naturwissenschaftliche Wertbegriffe:
Computer verfügen über einen Speicher, in dem Daten gespeichert werden. Dieser Speicher ist in einzelne Teile unterteilt. Die Daten in einem dieser Segmente werden deshalb auch „Wert dieses Speicherabschnittes“ genannt. Zum Beispiel kann ein Speicherabschnitt von 1 Byte Größe etwa einen Wert zwischen 0 und 255 in ganzen Zahlen speichern.
In der Programmierung werden zur Vereinfachung der Software-Entwicklung auch bestimmte Speicherabschnitte mit Namen belegt, denen wie den Speicherwerten bestimmte Daten zugewiesen werden können. Diese Daten werden daher auch „Wert der Variable“ genannt, so kann etwa eine Variable vom Typ Integer (englisch für Ganzzahl) mit einem ganzzahligen Wert zwischen 0 und 65536 (2 Byte) belegt werden.
Siehe Wert (Wirtschaftswissenschaft)
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