Wettingen


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Dieser Artikel bezieht sich auf die Stadt Wettingen in der Schweiz; zu weiteren Bedeutungen gleicher Begriffe siehe Wettingen (Begriffsklärung)
Wettingen
Wappen von Wettingen
Basisdaten
Kanton: Aargau
Bezirk: Baden
BFS-Nr.: 4045Vorlage:Infobox Ort in der Schweiz/Gemeinde
PLZ: 5430
UN/LOCODE: CH WTG
Koordinaten: (666932 / 257699)Koordinaten: 47° 28′ 0″ N, 8° 19′ 35″ O; CH1903: (666932 / 257699)
Höhe: 408 m ü. M.
Fläche: 10.59 km²
Einwohner: 19'454Vorlage:Infobox Ort in der Schweiz/Stadt

(31. Dezember 2007)

Website: www.wettingen.ch
Karte
Karte von Wettingen

Wettingen (schweizerdeutsch: Wettige) ist eine Einwohnergemeinde im Bezirk Baden im Schweizer Kanton Aargau. Sie grenzt direkt an den Bezirkshauptort und ist mit über 19'000 Einwohnern die bevölkerungsreichste Gemeinde des Kantons.

Inhaltsverzeichnis

Geographie

Wettingen liegt am rechten Ufer der Limmat unmittelbar vor der Klus von Baden. Der grösste Teil der Siedlungsgebietes bedeckt das Wettingerfeld, eine flache Ebene, die auf allen Seiten von natürlichen Grenzen umgeben ist; im Westen und Süden vom Fluss, im Norden vom steilen Südhang der Lägern und im Osten vom Sulperg (569 m ü. M.). Zwischen der Lägern und dem Sulperg liegt das nicht überbaute Eigital. An dessen westlichem Ende, im Nordosten des Wettingerfelds, befindet sich der alte, noch relativ gut erhaltene Dorfkern. Der Südhang der Lägern ist teilweise mit Reben bepflanzt. Der Dorfbach durchquert das Wettingerfeld und mündet schliesslich über den Gottesgraben in die Limmat. Er ist teilweise kanalisiert, teilweise eingetunnelt und teilweise renaturiert.

Das Gemeindegebiet ist 1059 Hektaren gross, davon sind 417 Hektaren bewaldet und 398 Hektaren überbaut. Die höchste Stelle liegt auf 859 Metern auf dem Burghorn, einem Teil der Lägern, die tiefste Stelle auf 360 Metern an der Limmat.

Nachbargemeinden sind Ennetbaden, Ehrendingen im Norden, Otelfingen im Osten, Würenlos im Südosten, Neuenhof im Süden und Baden im Westen.

Geschichte

Auf dem Gemeindegebiet von Wettingen wurden zwei Gräber aus der Jungsteinzeit gefunden. Zur Zeit der Römer bestand hier eine kleine Siedlung. Durch das Wettinger Feld führte die Römerstrasse von Vindonissa (Windisch) über Aquae Helveticae (Baden) nach Vitudurum (Oberwinterthur). Als einziger Überrest eines Isistempels blieb eine Inschrift erhalten, die heute in die katholische Kirche St. Sebastian eingemauert ist.

Der Name Wettingen selber deutet auf einen alamannischen Siedler namens Wetti oder Watto hin. Dieser hatte sich in Verlauf der ersten alamannischen Siedlungswelle im 6. Jahrhundert mit seinen Leuten, den Wettinge, an der Stelle der aufgegebenen römischen Siedlung niedergelassen.

Im frühen Mittelalter fand auch das Christentum seinen Einzug in Wettingen. Dabei wurden die ersten Kirchen noch von Privaten, so genannten Kollatoren, gegründet. Als Gegenleistung dafür konnten sie den Zehnten für sich in Anspruch nehmen. Wettingen gehörte lange zum frühen Thurgau und fiel mit dessen Aufteilung zum Zürichgau. Im Jahr 1173 starben die Grafen von Lenzburg aus und ihre Gebiete fielen an die Kyburger.

Wettingen
Rathaus

Freiherr Heinrich II. von Rapperswil kaufte nach 1220 Güter in Wettingen und das Patronatsrecht der Dorfkirche. Nachdem Heinrich während der Kreuzzüge auf wundersame Weise aus Seenot gerettet worden war, schenkte er seine Besitztümer in Wettingen der Reichsabtei Salem. Dieses sandte Mönche nach Wettingen, um in einer Flussschlaufe der Limmat eine neue Abtei zu gründen. Der 14. Oktober 1227 gilt als Gründungsdatum des Klosters Wettingen, das in der Folge zum wichtigsten Grundherrn in der Region aufstieg und ab dem 14. Jahrhundert auch die niedere Gerichtsbarkeit ausübte.

Als das Geschlecht der Kyburger 1264 ausstarb, gelangen ihre Besitztümer an die Habsburger. 1415 eroberten die Eidgenossen den Aargau und Wettingen war fortan Hauptort des gleichnamigen Amtes in der Grafschaft Baden, einer gemeinen Herrschaft. Während der Reformation trat die Mehrheit der Dorfbevölkerung zum neuen Glauben über, wurde aber nach dem Zweiten Kappelerkrieg von 1531 rekatholisiert. Während des Zweiten Villmergerkrieges von 1712 war das Dorf von Zürcher und Berner Truppen besetzt.

Im März 1798 marschierten die Franzosen in die Schweiz ein und riefen die Helvetische Republik aus. Wettingen wurde eine Gemeinde im kurzlebigen Kanton Baden. In diesem und im nachfolgenden Jahr zogen nacheinander französische, österreichische und russische Truppen durch das Dorf und hielten sich auf Kosten der Bewohner schadlos. Seit 1803 gehört die Gemeinde zum Kanton Aargau.

Im Zuge der Aargauer Klosterstreits wurde das Kloster Wettingen am 12. Januar 1841 geschlossen. Die umfangreichen Bestände der Klosterbibliothek wurden in die aargauische Kantonsbibliothek in Aarau überführt und die Mönche mussten das Kloster verlassen. Schliesslich bezogen sie am 8. Juni 1854 die Reste des alten Benediktinerklosters Mehrerau in Bregenz (heute Territorialabtei Wettingen-Mehrerau).

Wettingen war nun ein Bauerndorf mit einem Lehrerseminar in den Räumlichkeiten des ehemaligen Klosters. Die erste Eisenbahnlinie der Schweiz, die Spanisch-Brötli-Bahn, wurde am 9. August 1847 eröffnet. Zunächst führte sie jedoch am südlichen Ufer der Limmat entlang, weitab des Dorfes. 1858 wurde neben dem ehemaligen Kloster eine Spinnerei eröffnet. Auf Wunsch des Fabrikbesitzers verlegte die Schweizerische Nordostbahn das Trassee der Eisenbahn auf die rechte Seite der Limmat und Wettingen erhielt 1876 einen Bahnhof an zentraler Lage zwischen Klosterbezirk und Dorf. Die Eröffnung der Nationalbahn nach Zofingen war am 6. September 1877, der Abschnitt nach Winterthur folgte einige Wochen später am 15. Oktober. Als Konkurrenz dazu war am 1. Oktober desselben Jahres die Bülach-Baden-Bahn eröffnet worden; diese wurde jedoch bereits am 18. Januar 1937 stillgelegt.

Nachdem 1891 im benachbarten Baden die BBC gegründet worden war, die in der Folge stark expandierte, wandelte sich Wettingen sehr rasch von einem Bauerndorf zu einem Arbeitervorort. Baden selbst hatte aufgrund der schwierigen topographischen Lage wenig Platz für neue Siedlungen und so zogen viele BBC-Arbeiter nach Wettingen, das im flachen Wettingerfeld noch weitläufige Baulandreserven aufwies.

Schon in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts war Wettingen mit Baden zusammengewachsen. Einen erneuten Wachstumsschub erlebte das Dorf zwischen 1950 und 1960, als die Einwohnerzahl um über zwei Drittel anstieg und die letzten freien Flächen in der Mitte des Wettingerfelds überbaut wurden. 1967 erreichte die Einwohnerzahl mit 20'019 ihren Höchststand. Bis 1990 sank sie um fast 12 %, konnte sich dann aber bei rund 18'000 stabilisieren und stieg in den letzten Jahren wieder über 19'000. Im Jahr 1974 wurde das grossen Sport- und Erholungszentrum Tägerhard eröffnet, das mit seinem vielfältigen Angebot eine überregionale Bedeutung erlangt hat.

Sehenswürdigkeiten

Kirche St. Sebastian in Wettingen
  • Kloster Wettingen: Ehemaliges Zisterzienserkloster (heute Kantonsschule), mit kath. Klosterkirche Maria Meerstern (frühgotisch) Chorgestühl (Renaissance, barockisiert) und Kreuzgang
  • Marienkapelle (Spätbarock) und Kreuzweg auf dem Sulperg
  • Kreuzkapelle (Hochbarock) am Ortsausgang Richtung Würenlos
  • Katholische Pfarrkirche St. Sebastian; Historismus mit Jugendstilanklängen; im Eingangsbereich ist eine römische Inschrift aus einem Isistempel eingemauert
  • Katholische Pfarrkirche St. Anton; Betonhallenkirche aus dem Jahr 1954; statt eines Chorgemäldes wird jeweils einer von sechs Bildwandteppichen gezeigt
  • Bezirksschule, ein Frühwerk des Architekten Theo Hotz; musste allerdings wegen erheblicher baulicher Mängel in den 1970ern umgebaut werden
  • Kulturweg Baden - Wettingen - Neuenhof mit zahlreichen zeitgenössischen Skulpturen
  • Industriekulturpfad Wettingen - Windisch

Wappen

Die Blasonierung des Gemeindewappens lautet: «Im Wellenschnitt geteilt von Rot mit sechsstrahligem gelbem Stern, und von Weiss mit drei blauen Wellen.» Das erste, auf dem Siegel von 1827 abgebildete Wappen, zeigt den an einen Baum gebundenen und von Pfeilen getroffenen Heiligen Sebastian. Wenige Jahre später wurde es durch ein Wappen ersetzt, das einen Stern über einer gewellten Wasserfläche zeigte. Die heute gültige Form, die dem Wappen des Klosters Wettingen entspricht und 1667 auf der Karte des Kantons Zürich abgebildet war, wurde 1957 eingeführt.[1]

Bevölkerung

Bevölkerungsentwicklung:[2]

Jahr 1798 1850 1900 1930 1950 1960 1970 1980 1990 2000
Einwohner 721 1610 3128 8505 11'667 17'613 19'900 18'377 17'706 17'870

Am 31. Dezember 2007 lebten 19'454 Menschen in Wettingen, der Ausländeranteil betrug 25,3 %.[3] Bei der Volkszählung 2000 waren 48,5 % römisch-katholisch, 26,9 % reformiert, 3,5 % christlich-orthodox und 3,9 % moslemisch; 1,6 % gehörten anderen Glaubensrichtungen an. 84,2 % bezeichneten Deutsch als ihre Hauptsprache, 5,1 % Italienisch, 2,3 % Serbokroatisch, 1,1 % Spanisch, 1,0 % je Albanisch und Französisch, je 0,8 % Englisch und Portugiesisch, 0,6 % Türkisch.[4]

Politik und Recht

Legislative

Anstelle einer Gemeindeversammlung vertritt der von den Stimmberechtigten gewählte Einwohnerrat die Anliegen der Bevölkerung. Er besteht aus 50 Mitgliedern. Ihm obliegt das Genehmigen des Steuerfusses, des Voranschlages, der Jahresrechnung, des Geschäftsberichts und der Kredite. Er kann Reglemente erlassen. Die Amtsdauer beträgt vier Jahre. Der Einwohnerrat wird im Proporzwahlverfahren gewählt.

Bei den letzten beiden Wahlen erzielten die Parteien folgende Sitzzahlen:

Partei 2001 2005
CVP 14 15
SVP 10 10
SP 9 10
FDP 7 7
EVP 4 3
Forum 5430 3 2
Wettigrüen 2 3
SD 1 -

Auch auf Gemeindeebene finden sich verschiedene Elemente der direkten Demokratie. So stehen der Bevölkerung fakultative und obligatorische Referenden, sowie das Initiativrecht zu.

Exekutive

Ausführende Behörde ist der Gemeinderat. Seine Amtsdauer beträgt vier Jahre und er wird im Majorzverfahren (Mehrheitswahlverfahren) vom Volk gewählt. Er führt und repräsentiert die Gemeinde. Dazu vollzieht er die Beschlüsse des Einwohnerrates und die Aufgaben, die ihm von Kanton und Bund zugeteilt wurden. Als Vorsteher der Exekutive übt der Gemeindeammann seine Tätigkeiten im Vollamt aus, die übrigen Gemeinderäte im Nebenamt.

Die sieben Gemeinderäte der Amtsperiode 2006-2009 sind:

  • Markus Dieth (CVP), Gemeindeammann (2008-2009)
  • Heiner Studer (EVP), Vize-Gemeindeammann
  • Roland Kuster (CVP) (2008-2009)
  • Antoinette Eckert (FDP)
  • Felix Feiner (SP)
  • Yvonne Feri (SP)
  • Daniel Huser (SVP)

Heiner Studer war von 1999 bis 2007 gleichzeitig Mitglied des Nationalrats.

Judikative

Für Rechtsstreitigkeiten ist das Bezirksgericht Baden zuständig. Auf kommunaler Ebene gibt es einen Friedensrichter.

Wirtschaft

In Wettingen gibt es über 7100 Arbeitsplätze, davon 1 % in der Landwirtschaft, 27 % in der Industrie und 72 % im Dienstleistungssektor.[5] Bei der Betriebszählung von 2001 wurden 25 Landwirtschaftsbetriebe, 159 Industriebetriebe und 733 Dienstleistungsunternehmen registriert. In Wettingen gibt es keine grossen Konzerne, dafür aber eine Vielzahl von kleinen und mittleren Unternehmen (KMU). Wettingen hat etwa gleich viele Weg- wie Zupendler. Viele Erwerbstätige arbeiten in Baden, im Limmattal oder in Zürich. Das Elektrizitätswerk der Stadt Zürich (EWZ) betreibt in Wettingen ein Laufkraftwerk, zu welchem eine 29 Meter hohe Gewichtsstaumauer an der Limmat zwischen Wettingen und Neuenhof gehört.

Verkehr

Der Bahnhof von Wettingen wird durch zwei Linien der S-Bahn Zürich bedient. Die S6 fährt durch das Furttal, die S12 durch das Limmattal. Weitere direkte Verbindungen führen ins untere Aaretal bis nach Waldshut und nach Brugg/Aarau/Olten. Die Eisenbahnlinie nach Lenzburg wurde am 12. Dezember 2004 geschlossen. Der nächste Bahnhof mit Schnellzugshalt befindet sich in Baden.

Die Busgesellschaft Regionale Verkehrsbetriebe Baden-Wettingen (RVBW) betreibt ein dichtes Netz von Buslinien in Wettingen, Baden und zehn weiteren Gemeinden in der Umgebung. Südlich der Gemeinde verläuft die Autobahn A1. Zwei Autobahnanschlüsse befinden sich in den angrenzenden Gemeinden Neuenhof und Würenlos.

Bildung

In vier Schulhäusern werden alle Stufen der obligatorischen Volksschule unterrichtet. Wettingen besitzt seit 1976 eine eigene Kantonsschule (Gymnasium) in den Gebäuden des ehemaligen Klosters und kooperiert eng mit derjenigen im benachbarten Baden. Weitere Schulen von Bedeutung sind die Heilpädagogische Sonderschule und die Volkshochschule.

Persönlichkeiten


Siehe auch

Einzelnachweise

  1. Joseph Galliker, Marcel Giger: Gemeindewappen des Kantons Aargau. Lehrmittelverlag des Kantons Aargau, Buchs 2004. ISBN 3-906738-07-8
  2. Bevölkerungsentwicklung der Gemeinden im Bezirk Baden - Statistisches Amt des Kantons Aargau
  3. Bevölkerungsstatistik 2. Halbjahr 2007 - Statistisches Amt des Kantons Aargau
  4. Gemeindeporträt - Statistisches Amt des Kantons Aargau
  5. Betriebszählung 2005 - Statistisches Amt des Kantons Aargau

Weblinks

Commons Commons: Wettingen – Bilder, Videos und Audiodateien






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